Kehl | Seniorenzentrum am Wasserturm

Als ob man live bei einem Klassik-Konzert dabei ist

13/10/2026 |  Kehl

Klassikprojekt begeisterte im September mit Werken von Vivaldi, Mozart und Bach | von Jürgen Lorey

Nach einer längeren Sommerpause, die in diesem Jahr der langwierigen Hitzewelle geschuldet war, kamen die Klassik-Liebhaber unter den Bewohnern im Seniorenzentrum am Wasserturm Mitte September wieder auf ihre Kosten: Drei Musikstücke hatten Heide Hilzinger und Herr Unger für die Zuhörer im Erinnerungszimmer ausgesucht – von den Komponisten Vivaldi, Mozart und Bach. Beim ersten Stück passend zum ausklingenden Sommer, handelte es sich um den ersten Satz von „Der Sommer“ aus dem Zyklus „Die Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi. Dieser erste Satz fange sehr ruhig und langsam an, matt und schleppend, man könne durch die Musik die drückende Hitze regelrecht spüren, die Tieren und Menschen zu schaffen macht, sagte Heide Hilzinger zur Einführung. Später werde die Musik dann schneller, hippelig, kündigt ein drohendes Unwetter an. Das zweite Stück war die 40. Sinfonie von Wolfgang Amadeus Mozart, gespielt vom WDR-Sinfonieorchester unter der Leitung von Adam Fischer. Dieses Werk ist das am meisten gespielte von Mozart, betonte Hilzinger, und ist Teil von drei Sinfonien hintereinander, die er ab Juli 1788 in Wien innerhalb von drei Monaten komponierte, – ohne dafür einen Auftrag oder finanzielle Unterstützung erhalten zu haben. In dieser Zeit komponierte Mozart auch seine Jupiter Sinfonie (Nr. 41). Alle drei im Sommer 1788 entstandenen Sinfonien bilden den Höhepunkt des sinfonischen Schaffen Mozarts. Die 40. Sinfonie zeigt einen inneren Drang bei Mozart, sagte Hilzinger, lege den dunkelsten Teil unserer Seele, die dunklen Gedanken offen. Den Abschluss des Klassikprojektes im September bildete das Stück „Schafe können sicher weiden“ aus der Jagdkantate, die Johann Sebastian Bach 1713 komponierte. Gespielt wurde die Arie vom hr-Sinfonieorchester mit den Brüdern Lucas und Arthur Jussen am Klavier. „Eine sehr tröstliche und beruhigende Musik, die die beiden Brüder vierhändig am Klavier spielen“ kommentierte Heide Hilzinger. Für Bach war Musik nicht nur ein bloßer Zeitvertreib oder ein rein ästhetischer Genuss, sondern ein sakraler Akt. In einer Widmung für sein „Orgelbüchlein“ umfasst Bach sein Musikverständnis so: „Bei einer andächtigen Musik ist ist allezeit Gott mit seiner Gnaden Gegenwart.“ Am Ende zeigten sich die Zuhörer begeistert von der Musikauswahl. Da die Musikstücke als Filmaufnahmen über einen TV-Bildschirm zu sehen waren, hatten die Bewohner den Eindruck, wie in einem Konzert live dabei zu sein. „Wir freuen uns jetzt schon auf das nächste Mal“, war der allgemeine Kommentar.