29.12.2025 | Bad Peterstal
Aus Sorge um die Mutter, die bei ihrer Geburt am 29. Dezember 1925 beinahe verblutet wäre, erzählt Elisabeth Huber, geborene Sehlinger, bis heute schmunzelnd, sie habe man damals achtlos auf das Nachbarbett gelegt, um sich ganz der Wöchnerin zu widmen. „Es war ein bitterkalter Wintertag. Aber ich habe wohl so laut geschrien, dass ich warm geblieben bin“, lacht sie dann. Vielleicht war es ein frühes Vorzeichen jener außergewöhnlichen Resilienz, die ihr gesamtes Leben prägen sollte.
93 Jahre alt wurde ihre Mutter Paula Herrmann, die den Vater Franz Sehlinger erst nach der Geburt heiratete – ein höchst ungewöhnlicher Vorgang im Schwarzwald der 1920er Jahre. Die Langlebigkeit scheint sie an ihre Tochter weitergegeben zu haben: Elisabeth Huber feierte in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag – weiterhin von scharfsinnigem Verstand, einem ungebrochenen Wunsch nach Eigenständigkeit und von feinem Humor getragen.
Als älteste von vier Geschwistern war sie früh und intensiv in die Sorgearbeit für ihre Brüder eingebunden. Die Schule, räumt sie rückblickend ein, sei dabei oft zu kurz gekommen – nicht zuletzt, weil einer der jüngsten Brüder schwer erkrankte und bereits im Kindesalter verstarb. Der Vater verdiente den Lebensunterhalt der Familie unter anderem im Steinbruch im Lierbachtal und im Schotterwerk bei Hubacker. Oft wurde Elisabeth losgeschickt, um ihm dort das Mittagessen zu bringen, während die Mutter in einer Zigarrenfabrik zum kargen Einkommen beitrug.
In der von Entbehrungen geprägten Zwischenkriegszeit erlebte die Jubilarin eine besonders glückliche Zeit bei ihren Großeltern mütterlicherseits in Ulm (Renchen). In den Ferien durfte sie mit ihnen Himbeeren pflücken, die anschließend an einem kleinen Stand verkauft wurden. Die Raspa, die sie danach in einer Wirtschaft entlang des Heimwegs erhielt, zählt bis heute zu ihren liebsten Erinnerungen. Zum Großvater, einem Friseurmeister, kamen damals samstags die Bauern der umliegenden Höfe, um sich Bart und Haare schneiden zu lassen. Sie brachten nicht nur eine Vielzahl an Flöhen mit, die von der Mutter später mühsam aus dem Haar gekämmt werden mussten, sondern auch Geschichten, Neuigkeiten und Geselligkeit, berichtet sie.
Das im nationalsozialistischen Regime obligatorische Pflichtjahr führte Elisabeth in eine Uniformschneiderei nach Oppenau. Anschließend arbeitete sie als Haushaltshilfe bei Bekannten – und verliebte sich zum ersten Mal in einen jungen Handwerker, der später als Wehrmachtssoldat in englische Kriegsgefangenschaft geriet. Zunächst wartete man aufeinander, doch das Leben hatte andere Wege vorgesehen. Nach Kriegsende kehrte er in seine schwäbische Heimat zurück, während Elisabeth als „Mädchen für alles“ und als Servicekraft in verschiedenen Gaststätten arbeitete.
Im Gasthaus Engel in Bad Peterstal begegnete sie schließlich dem Fotografenmeister Georg Huber (1922 – 2004), ihrem späteren Ehemann. Am 13. Juni 1950 wurde Hochzeit gefeiert; noch im selben Jahr eröffneten beide gemeinsam ein Geschäft, das fortan den Namen „Foto Huber“ trug. Fünf Kinder zog Elisabeth Huber groß, während sie ihrem Mann bei Aufnahmen assistierte und Kundinnen und Kunden bediente. Über viele Jahre hinweg begrüßte sie mit professionellem Lächeln die zahlreichen Touristinnen und Touristen, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Kurort Urlaub machten und bei „Foto Huber“ ihre Filme entwickeln ließen und Souvenirs erwarben. Dass das Geschäft – inzwischen vom ältesten Sohn und seiner Frau weitergeführt – in diesem Jahr sein 75-jähriges Bestehen feiern durfte, ist zu großen Teilen Verdienst der überaus tüchtigen Jubilarin.
An ihrem 100. Geburtstag am 29. Dezember 2025 durfte Elisabeth Huber auf ein bewegtes Jahrhundertleben zurückblicken – getragen von großer Hingabe an ihre Familie und stets begleitet von einer nötigen Portion Beharrlichkeit und einer guten Portion Humor. Ihre fünf Kinder, acht Enkelkinder und fünf Urenkel gratulierten herzlich zu diesem besonderen Ehrentag.
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